Es sind drei weitere Tage vergangen, mein Heimweh ist gestiegen, weil alles doch irgendwie ziemlich neu und anders ist, vokalem sehr ungewohnt. Das Zuhause-Gefühl fehlt. Dennoch bin ich sehr zufrieden bisher, immerhin haben wir innerhalb von zwei Arbeitstagen so einiges geschafft.
Am Sonntag haben wir erstmal bis 13 Uhr verschlafen, aber das machte nichts, da wir eh nicht viel geplant hatten, außer die Umgebung von Sydney zu erkunden. Ein anderer Traveler aus unserem Zimmer, der lustig und schon etwas älter war, ich schätze mal um die 50, hat uns am Samstag Abend noch empfohlen, ein Ticket am Bahnhof zu kaufen, mit dem man angeblich alle Züge, Busse und Fähren nutzen kann, um damit in die Vororte von Sydney zu kommen und etwas mehr zu sehen als nur die Innenstadt. Er gab uns folgende Beschreibung, wo und wie wir dieses Ticket kaufen können: "Yeah, you go to the dingdingding (mit seinen Fingern hat er angedeutet, dass er auf den Bildschirm eines Fahrkartenautomaten tippt) and then you do this and dipdüp (tippte auf seinem virtuellem Bildschirm weiter..) and then you have it." Er zeigte uns stolz sein Ticket, dass für einen Erwachsenen nur 3,60$ kostete, aber mit den Aufschriften konnten wir nichts wirklich anfangen, da nur Abkürzungen zu sehen waren. Wir dachten uns - so schwer kann es nicht sein, und wenn es so günstig ist, wieso nicht - und gingen dann Sonntag zum Bahnhof. Am Automaten kamen komischer Weise immer Preise jenseits von 30$ und mehr heraus für Tagesfahrkarten. War wohl doch nicht so einfach. Irgendwann haben wir es dann hoffnungslos aufgegeben und uns entschieden, ein schönes Abendbrot einkaufen zu gehen.

Auf dem Weg zum Supermarkt hat uns Sydney nochmal begeistert. Es ist echt schön hier!

Wir gingen zum Supermarkt und kauften Brot, Aufstrich, Gemüse und Erdbeeren. Somit genossen wir dann am Abend einen entspannten, etwas verpeilten Tag und Adrian legte sich früh schlafen. Die Nacht zuvor war nämlich wieder ziemlich schlaflos gewesen. Ich habe dann sehr lange mit meiner Mama geskypt und sie hat mir viel Mut und Zuversicht für die kommenden Monate zugesprochen und gesagt, dass mein Heimweh bald weg sei und es ganz normal sei, wenn man einen so neuen Lebensabschnitt beginnt. Ich war sehr froh sie sehen zu können und es hat mir wirklich zusätzlich Kraft gegeben, so konnte ich dann ganz entspannt schlafen gehen. Vielen lieben Dank Mama! Es hat mich sehr gefreut, dass ich so nah bei dir sein konnte bei dieser großen Entfernung!
Montag hatten wir dann unser erstes 'Job-Interview' (wie es hier genannt wird). Es gab die Auswahl entweder für eine Charity oder für eine Solar-Panel Firma zu arbeiten. Wer sich diese Kombination unter einem Dach ausgedacht hat, wissen wir auch nicht. Wir haben gesagt, dass wir beides machen würden. Noch am selben Tag erhielten wir die Einladung zu einem Job-Training für die Solar-Panel Firma am Dienstag - wir hatten den ersten Job sicher. Zeitgleich haben wir noch eine weitere Einladung für Dienstag zu einem Bewerbungsgespräch bei Amnesty International erhalten! Dienstag stand also viel auf dem Tagesplan. Außerdem hat sich jeder von uns ein Bankkonto bei einer Australischen Bank eingerichtet und eine Steuernummer beantragt. Jetzt waren wir bereit für den Anfang jeder Arbeit. Wir sind komplett vorbereitet und ausgestattet.
Nun stand der heutige Dienstag vor der Tür. An diesem Tag hatten wir wohl bisher am meisten zu tun. Wir mussten aus dem bisherigen Hostel auschecken (es war sehr gepflegt und ordentlich dort, aber wir haben ein anderes Hostel gefunden, bei dem wir zu einem niedrigeren Preis ein Doppelzimmer bekamen und hoffen nun, Abends unsere Ruhe zu haben), dann zu dem Job-Interview von Amnesty International in North Sydney, danach zu dem Job-Training von der Solar-Panel Firma, anschließend im neuen Hostel einchecken und letztendlich noch Abendbrot besorgen. Wir haben alles geschafft. Dazu mussten wir uns ja noch entscheiden, ob wir bei der Solar-Panel Firma den Arbeitsvertrag unterschreiben oder nicht. Im Laufe des Job-Trainings bekamen wir zum Glück dann per SMS von Amnesty Int. eine Bestätigung, dass wir dort am Donnerstag mit einem Job-Training anfangen können. Schnell war für uns klar, dass wir bei der Solar-Panel Firma nicht unterschreiben werden - viel zu gut war das Angebot von Amnesty Int. im Vergleich bezogen auf Gehalt und Arbeitsintensität.
Daher wir noch weitere Bewerbungen an andere Arbeitgeber geschickt haben, bekamen wir auch noch eine Einladung für ein Bewerbungsgespräch von einer Sports Sales Marketing Firma Namens STM International. Jetzt haben wir morgen auch dort noch ein Job-Interview. Und wer weiß, vielleicht kriegen wir ein noch interessanteres Angebot als das Vorliegende von Amnesty Int., aber das warten wir jetzt erstmal ab. Aufjedenfall sollen wir in 'business attire' erscheinen.
Ich persönlich bin sehr froh, dass alles wie geschmiert bisher verläuft und wir bisher keine Probleme irgendwo hatten. Es macht mir viel Spaß hier und das, was ich bisher gesehen und erlebt habe, ist echt sehr beeindruckend und aufregend. Mein Fazit nach fünf Tagen: Sydney ist geil, teuer und spannend. So langsam kommen wir hier auch Gedanklich immer besser an.
Eben habe ich noch mal mit meinem Papa telefoniert, es freut mich immer sehr was aus Deutschland zu hören und zu wissen, dass meine Familie für mich da ist! Thank you!
Auch ein riesen Dank an alle meine lieben Freunde, die sich oft nach mir erkundigen und mir zusprechen, wenn ich grade mal an meine Heimat denken muss und traurig werde. Ich vermisse euch alle sehr! Aber ich sehe schon die Tage, wo wir alle wieder zusammen wie ein Hurricane über Hildesheim fegen und feiern werden!
Euer Jojo :-*